Bindungsanalyse - begegnen, berühren, verbinden ...

Gedanken, Geschichten und Eindrücke

Ein Band von Herz zu Herz

In der Bindungsanalysesitzung wird die schwangere Frau aufgefordert sich während der Tiefenentspannung ein Band vorzustellen, das sich von ihrem Herzen zum Herzen ihres Kindes bildet. Die Farbe, die Struktur und die Beschaffenheit wird von der Schwangeren selbst gewählt bzw. sie bildet sich oftmals wie von selbst mit manchmal verwunderlichen Farbkombinationen.

Es ist sehr berührend wie die Frauen von diesem Erlebnis berichten und wie individuell dieses Band gewoben wird und hilft in Kontakt zu treten. Übrigens bei jeder Sitzung immer wieder neu und in anderen Farben.

 

Die Hebamme und Therapeutin Brigitte Meißner arbeitet ebenfalls mit dem Bild des "Herzensfadens", um sich mit dem eigenen Kind verbinden und auch nach der Geburt in engem Kontakt bleiben zu können (zum Beispiel wenn das Kind in die Kinderklinik verlegt werden muss und von der Mutter getrennt wird).

 

Die Vorstellung dieses Bandes fällt vielen Menschen leicht und sie kann gedanklich gut umgesetzt werden. Bereits kleine Kinder haben einen Zugang dazu, wenn man ihnen davon erzählt, es aufmalt oder z.B. ein Stück schönes Schleifenband benutzt, um das Band von Herz zu Herz zu demonstrieren. Auf diese Art verbunden, kann man gut Abschied voneinander nehmen, auch an Tagen, an denen es schwerfällt...

 

(17.07.2022)

mutterliebe wächst mit Vertrauen und Geduld...

In der letzten Woche sprach ich mit einer Schwangeren über den Zwiespalt, den man empfindet, wenn sich das große Mutterglück nicht deutlich einzustellen scheint. Viele Erinnerungen aus meiner ersten Schwangerschaft kamen mir hoch und deckten sich mit den Erfahrungen der Frau aus ihrer ersten Schwangerschaft und Wochenbettzeit.

 

Nicht wenige Mütter erzählen mir, dass sie sich gerade beim ersten Kind schwertaten mit der "guten Hoffnung" und dem "Mutterglück" nach der Geburt. Die Veränderungen des Körpers können nicht alle mit Hingabe zelebrieren und das Herz scheint so oft viel zu empfindsam zu sein.

 

Ich hatte mir mein erstes Kind lange herbeigesehnt und war dann, trotz meiner Hebammenerfahrung, ziemlich überfordert damit. Ich begleitete meine Schwangerschaftsveränderungen gewissenhaft, ganzheitlich, naturheilkundlich; praktizierte Yoga, ernährte mich vorbildlich, machte mir viele Gedanken um Wichtiges und Unwichtiges. Kurz, die Vorbereitung auf die Geburt und auf mein Kind schien perfekt, aber Frieden, Vorfreude oder positive Gefühle stellten sich nur langsam ein. Stattdessen lief ich mit einem "Dauerkloß" im Hals umher. Ich setzte mich sehr unter Druck, wollte fühlen, was Mütter mir mit ihren Kindern vorlebten, gleichzeitig war ich plötzlich alleinerziehend und hatte den Anspruch meine freiberufliche Hebammenarbeit in der gleichen Qualität und mit dem gleichen intensiven Zeitaufwand wie vor der Schwangerschaft fortzuführen. Meine Erfahrungen, die ich heute bei den Begleitungen mit der Bindungsanalyse mache, bestätigen, dass ich meinem Sohn tatsächlich viel zugemutet habe und ihm in dieser Zeit der Schwangerschaft wenig Vertrauen in die Welt mitgeben konnte. Mir hätte eine Hilfestellung wie ich lernen kann mit meinem Kind zu kommunizieren, viele heilsame Brücken bauen können.

 

Eine Erkenntnis, die ich nicht erst durch die Arbeit mit der BA habe, ist, dass eine gute Kommunikation immer der erste Schritt für Annäherung, Bindung und Vertrauen ist. Egal wie unstet die Umstände sind, wenn man "nur" lernt miteinander zu reden, besteht die reale Chance auf einen Neubeginn, auf etwas Gutes. Wenn eine Kommunikation zwischen Mutter und Kind möglich ist, scheint sich plötzlich alles Stück für Stück zu fügen - es muss nur der Anfang geebnet werden und alles findet sich.

 

In der Bindungsanalyse ist es nicht das Ziel dem Baby eine heile Welt vorzuspielen. In den Dialogen mit dem Kind benennt die Mutter regelmäßig ihre Probleme, ihre negativen Emotionen. Gleichzeitig vermittelt sie aber auch, dass sie die Fähigkeit oder zumindest das Bestreben hat, sich darum zu kümmern und dass ihr Baby unbeeindruckt davon geborgen wachsen darf. Die Gebärmutter wird so zu einem Ort der Sicherheit. Das Kind erlebt die Mutter als authentisches und fühlendes Wesen, das sich im Leben behauptet. Die Schwangere gibt ihrem Kind im Mutterleib Halt und Verlässlichkeit und erlebt sich dabei selbst bereits als kompetente und starke Mutter. Ein Gefühl, das sich viele Frauen im Frühwochenbett mit vielen Rückschlägen und Selbstzweifeln erst hart erarbeiten müssen.

 

In den bewussten Begegnungen von Mutter und Kind, während der Bindungsanalysesitzungen, wächst neben der immer klarer werdenden Kommunikation, auch das Gefühl des Vertrauens, der Zuversicht und der Geborgenheit als Vorboten der Liebe...

 

Altfriedland im Juni 2022

 

 

"eine gezielte auseinandersetzung mit der eigenen Kindheit und den erlernten Glaubenssätzen, ermöglicht uns freier im Handeln zu werden und weder unreflektiert das Verhalten unserer Eltern nachzuahmen, noch negative Erfahrungen am eigenen Kind überzukompensieren. Durch Reflexion und Verarbeitung können wir die Weitergabe von Generation zu Generation durchbrechen."

Mutter.Sein (2019)

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