Hebammenbegleitung nach der Geburt ist viel mehr als das Kind zu wiegen, auf die Nabelheilung, die Rückbildung der Gebärmutter, Stillen und Co. zu gucken. All diese körperlichen Prozesse werden derart stark von Emotionen, Einflüssen und der persönlichen Einstellung der Familie geprägt, dass man sie mit einbeziehen muss. Das ist in meinen Augen eine große Stärke der Hebammenbetreuung. Wir sind da, viele Wochen lang und so oft es nötig ist. Dadurch erkennt man häufig sofort, was es für Auffälligkeiten gibt. Reguliert man diese frühzeitig, kann man akute Verläufe wie Milchstau, zu wenig Milch, wunde Brustwarzen usw. mindern oder gar ganz und gar abfangen.

Ich versuche einen Rückhalt zu bieten, der in Zeiten des "Überranntseins" und der plötzlichen Verantwortung hilft Stück für Stück in die neue Rolle hineinzuwachsen. Dabei gebe ich immer eine Anleitung zur Selbsthilfe, so dass die Familien irgendwann nur noch bei Besonderheiten nachfragen und sich bei mir vergewissern wollen.

 

Das frühe Wochenbett dauert ca. 6-8 Wochen. In dieser Zeit ordnen sich grob der Körper, die Psyche und das Familienleben. Dennoch bleiben die Folgemonate eine Zeit der ständigen Veränderungen (Wachstumsschübe beim Kind, Einsetzen der ersten Menstruation usw.).

Hebammen können Frauen auch nach den ersten 2 Lebensmonaten des Kindes begleiten und mit Rat und Tat zur Seite stehen. Das späte Wochenbett endet übrigens erst nach dem Abstillen. Stillt eine Mutter mehrere Jahre, hat sie während der gesamten Zeit ein Anrecht auf Hebammenstillberatung.

Auch Frauen, die Probleme mit der Umstellung auf Muttermilchersatzprodukte oder auf feste Kost haben, können ebenfalls in Form einer Ernährungsberatung Hebammenhilfe in Anspruch nehmen (die Kosten übernehmen die gesetzlichen Kassen und müssen nur per Unterschrift quittiert werden). 

 

Immer wieder höre ich die Frage (meist aus dem Frauenkreis der Familie), wozu man denn eine Hebamme im Wochenbett bräuchte, schließlich hätten sie es "früher" auch allein geschafft. Dazu muss man sagen, dass "früher" (unsere Muttergeneration) eher selten gestillt wurde. Es gab feste Mahlzeiten alle vier Stunden, Kinder wurden "verwöhnt", wenn man sich zu viel mit ihnen beschäftigte und sie trug, die Lunge musste sich durch das "Schreien-Lassen" " kräftigen und und und.

 

Zeiten ändern sich. Die Frauen, die selbst als Baby vielleicht umsonst nach ihren Müttern riefen und nicht gestillt wurden, wollen es häufig selbst anders machen. Sie haben keine Möglichkeit auf altes Frauenwissen von Mutter, Schwester oder Großmutter zurückzugreifen, weil sie nicht zusammen leben oder dieses Wissen nicht existiert. Hier übernehmen Hebammen die Rolle der "Amme", die zeigen kann, worauf es ankommt und was gut tut.

 

Oft heißt es auch, alles sei doch angeblich so natürlich im Wochenbett und ginge von allein. Ja, das trifft in der Regel zu, allerdings auf Frauen, die eine gesunde, glückliche und sorglose Schwangerschaft erlebten, deren Geburt in Abgeschiedenheit und ungestört im eigenen Rhythmus ablaufen konnte und die nicht im sensiblen Kontakt mit ihrem Neugeborenen gestört wurden. Und welche Mutter kann das in der heutigen Zeit schon von sich behaupten?

 

Tiere, die per Kaiserschnitt oder unter Betäubungsmitteleinsatz entbinden, verstoßen häufiger ihre Kinder. Im Zoo, einem Ort ständiger Beobachtung und einer unnatürlichen Lebensweise, müssen viele Jungtiere von den Müttern getrennt und mit der Flasche versorgt werden, weil die Stillbeziehung gestört ist, "die Milch nicht reicht"... Auch wir sind Säugetiere. All das Beschallen, Kontrollieren, Bewerten, Manipulieren und Verändern in der Schwangerschaft und während der Geburt, hat Einfluss auf unsere Mutterschaft und unsere Art zu stillen.

 

Wenn über 80% der Schwangeren eine "Risikobetreuung" in der Vorsorge erleben und bei 98% der Kliniksgeburten interveniert wird - wie bereitet uns das auf ein natürliches Wochenbett mit Mutterglück und sprudelnder Mamimilch vor?

Es ist hinderlich, manchmal verhindert es sogar vollkommen den Weg zurück zum Ursprung- dennoch ist es möglich. Ja, auch heute noch gibt es Frauen, die ihre Kinder monate-, wenn nicht sogar  jahrelang stillen, sie in ihren Familienbetten schlafen lassen und sie tragen, wenn sie danach verlangen - so wie tausende von Generationen es vor uns taten.

Traditionelle Hebammenarbeit ist es auch, das Wissen um diese Dinge zu bewahren...

 

Das persönliche Ziel meiner Begleitung ist es, wie schon in der Schwangerschaft, die Frau darin zu stärken sie selbst zu sein und bewusst Dinge zu hinterfragen, um eigene Antworten zu finden...

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